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erzählt von Peter Leiter, November 1962 Es war um das Jahr 1850 im Spätherbst an einem Sonntagnachmittag. Wie üblich gingen die Erwachsenen zur nachmittägigen Andacht in die Kirche. Darunter waren auch die Eltern und Dienstboten des Asthofes. Die sieben Kinder, im Alter von 3 bis 12 Jahren, wurden daheim in der Stube eingesperrt. Während die Kinder nun in der Stube vergnügt spielten, schaute plötzlich ein großer, zottiger Bär beim Stubenfenster herein. Die Kinder erschraken heftig und flüchteten alle auf den Stubenofen. Der Bär ging aber nicht vom Fenster weg, sondern schaute stur auf die furchtsam versammelte Schar auf dem Ofen. Da der Bär nicht hereinzubrechen versuchte, erholten sich die Kinder rasch vom ersten Schreck. Der 12-jährige Bub bekam Mut. Er nahm ein Brett aus dem Ofengeländer, ging zum Fenster und drohte dem zottigen Gesellen mit dem Ofenbrett. Darauf verließ der Bär das Fenster, ging aber dann zum hinteren Hoftor und versuchte dort einzubrechen. Als ihm das nicht gelang, kehrte er wieder zum Stubenfenster zurück. Wieder nahm der älteste Bub das Brett und drohte dem Bär. Diesmal aber ließ sich das Tier nicht mehr so schnell abschrecken, sondern schaute sich ruhig die Lage in der Stube an. Die Stubenfenster waren mit Eisenstäben in den Fensterstöcken gesichert, sodaß ein Eindringen des Bären durch die Fenster unmöglich war. Nach einer Weile entfernte sich der Bär wieder und versuchte es noch einmal beim hinteren Hoftor. Doch dieses war fest verriegelt und hielt dem Kratzen und Poltern des Bären stand. Nun trottete Meister Petz - ohne Beute - wieder dem Walde zu. Als die Leute von der Kirche nach Hause kamen, erzählten die Kinder, was sich zugetragen hatte. Noch am selben Abend wurden die Jäger von Sillian und Umgebung von dem Vorfall informiert. Die Jäger versammelten sich in derselben Nacht und beschlossen für den nächten Tag eine große Treibjagd. Es war Montag früh. Über Nacht hatte es - so wird erzählt - ein "Schuichschneabl" (schuhtief Schnee) gemacht. Dies war für die Jäger ein großer Vorteil. Bald kamen sie auf die Spur des Bären und konnten auch sein Versteck am sogenannten Schölmberg ausfindig machen. Der Schölmberg liegt etwa eine gute Gehstunde von Sillian, an der Schattseite. Nun teilten sich die Jäger in zwei Gruppen, in die Treiber und Aufpassser. Letztere wurden vom Jagdführer so aufgestellt, wie sie nach Meinung aller Jäger am besten zu Schuß kommen konnten. Den "Schneider Niggl" von Hollbruck, der bei den Jägern als ein etwas feiger Schütze bekannt war, stellten sie an einen Ort, wo sich die Jäger sagten, hier komme der Bär ja doch nicht vorbei, für alle Fälle sollte aber auch diese Stelle besetzt sein. Nun begannen die Treiber Lärm zu machen. Es dauerte auch nicht lange und der Bär flüchtete aus seinem Versteck. Er lief zwar in die Richtung der Aufpasser, jedoch nicht dorthin, wo die Tapfersten standen, sondern gerade zum Standplatz des Schneider Niggls hin. Dieser begann zu zittern wie Espenlaub. Er getraute sich keinen Muxer zu tun und schon gar nich zu schießen. Der Bär lief beim Schneider Niggl vorbei und entkam so den Jägern. Da schon später Nachmittag war, mußten die Jäger ohne Erfolg nach Hause gehen. Den armen Niggl aber schimpften sie aus, wie einen Spitzbub. Doch die tapferen Weidmänner gaben ihr Vorhaben nicht auf. Schon am nächsten Tag brachen sie wieder in aller Früh auf. Da sich der Schnee vom Vortag noch gut gehalten hatte, kamen sie bald wieder auf die Bärenspur. Diese führte ins Hollbrucker Tal. Es dauerte nicht lange und die Jäger bekamen den Bären in Sicht und bald darauf zu schießen. Seither hat nie mehr ein Bär die Gegend von Sillian unsicher gemacht. Diese letzte Bärenjagd wurde aber von Generation zu Generation weitererzählt und blieb lebendig bis auf den heutigen Tag. |
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